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Milbenbefall beim Hund: Erkennen, verstehen und behandeln

Parasiten bei Haustieren

3 Minuten Lesezeit

Dein Hund kratzt sich ständig, verliert Fell und du findest keine Flöhe? Dahinter steckt oft Räude – eine Hautkrankheit, die durch verschiedene Milbenarten ausgelöst wird. Diese Parasiten graben sich in Haut oder Haarfollikel ein, legen Eier und verursachen starken Juckreiz sowie Entzündungen.

Ohne Behandlung kann sich die Krankheit rasch ausbreiten – und manche Milbenarten können auch Menschen befallen. Deshalb ist es wichtig, die Anzeichen früh zu erkennen und schnell eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufzusuchen.

Was ist Räude? Ursachen und Übertragung

Räude ist ein Sammelbegriff für verschiedene Hautkrankheiten, die durch Milben ausgelöst werden. Manche Arten graben sich in die Haut und legen dort Eier ab, andere leben in Haarfollikeln und vermehren sich besonders dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Die Ansteckung erfolgt meist über direkten Kontakt zu einem befallenen Hund – etwa beim Spielen im Park, in der Hundeschule oder über gemeinsam genutztes Zubehör. Manche Milbenarten können auch beim Menschen Hautreizungen verursachen.

Ein brauner Hund liegt auf einem gestreiften Bett und blickt nachdenklich in die Ferne.

Hundekrätze (Sarcoptes‐Räude)

Erreger & Ansteckung:

Sarcoptes scabiei var. canis befällt vor allem Hunde, kann aber auch Katzen und Menschen reizen. Die Milben graben sich in die oberste Hautschicht und lösen oft schon wenige Stunden nach Befall starken Juckreiz aus.

Typische Symptome:

  • Plötzlicher, intensiver Juckreiz (vor allem nachts)
  • Kleine Knötchen und Verkrustungen an Bauch, Brust, Ellenbogen und Ohren
  • Schuppiger Fellrand und Haarausfall

Diagnose & Behandlung:

Nur ein Hautgeschabsel in der Tierarztpraxis bringt Gewissheit. Behandelt wird dein Hund über mehrere Wochen mit zugelassenen Spot-ons oder Tabletten. Medizinische Shampoos lösen Krusten, Antibiotika behandeln Sekundärinfektionen.

Ein Golden Retriever mit sanftem Ausdruck, der nachdenklich zur Seite blickt.

Ohrmilben (Otodectische Räude)

Erreger & Ansteckung:

Otodectes cynotis nistet sich im äusseren Gehörgang ein. Eine Übertragung kann über direkten Kontakt oder kontaminierte Futternäpfe erfolgen.

Typische Symptome:

  • Starkes Kopfschütteln und Scheuern der Ohren
  • Dunkler, krümeliger Ausfluss („Kaffeepulver“)
  • Entzündete Ohrmuscheln, manchmal Hämatome

Diagnose & Behandlung:

Die Tierärztin oder der Tierarzt erkennt die Milben mit dem Otoskop. Nach Reinigung der Ohren wird lokal mit Ohrspülungen und Tropfen oder systemisch mit Tabletten behandelt.

Demodikose (Demodex‐Räude)

Erreger & Ansteckung:

Demodex canis ist eine Hautmilbe, die bei vielen Hunden natürlicherweise vorkommt und meist keine Beschwerden verursacht. Bei Jungtieren oder bei einem geschwächten Immunsystem kann sie sich jedoch stark vermehren.

Formen & Symptome:

  • Lokalisierte Demodikose: Solitär kahle, schuppige Stellen, oft an Kopf oder Pfoten, hauptsächlich bei Welpen – heilt oft spontan.
  • Generalisierte Demodikose: Grossflächiger Haarausfall, verdickte Haut, Pusteln und sekundäre bakterielle Infektionen, begleitet von Lethargie und Fieber.

Behandlung:

Generalisierter Befall erfordert eine monatelange Therapie mit modernen oralen Milbenmitteln, medizinischen Shampoos zur Reinigung und oft Antibiotika gegen Begleitinfekte. Regelmässige Nachkontrollen sichern den Therapieerfolg.

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Thrombikulose (Erntemilben)

Erreger & Ansteckung:

Neotrombicula autumnalis – besser bekannt als Herbstgrasmilben (auch Grasmilben oder Erntemilben genannt) – lebt im Boden und befällt Hunde besonders im Spätsommer und Herbst, wenn sie viel im Gras liegen.

Typische Symptome:

  • Orangerote, punktförmige Knötchen an Kopf, Ohren, Pfoten oder Bauch
  • Starker, allergischer Juckreiz und verkrustete Stellen

Therapie:

Deine Tierärztin oder dein Tierarzt verschreibt entzündungshemmende Shampoos und bei Bedarf Antihistaminika oder Kortison – je nach Schweregrad der Erkrankung. Mit einer gezielten Behandlung klingen die Symptome in der Regel rasch ab.

Warum die Tierarztpraxis unerlässlich ist

Nur eine genaue Diagnose – etwa durch Hautgeschabsel, Otoskopie, zytologische Untersuchung oder spezifische Labortests – zeigt zuverlässig, welche Milbenart vorliegt. Auf dieser Grundlage erstellt die Tierärztin oder der Tierarzt einen individuellen Behandlungsplan. Dieser umfasst in der Regel eine Kombination aus gezielt wirksamen Akariziden, medizinischen Shampoos und konsequenten Hygienemassnahmen, um eine vollständige Heilung zu erreichen und Rückfälle zu vermeiden.

So kannst du Milbenbefall vorbeugen

Auch ohne 100 %igen Schutz senkst du das Risiko deutlich, wenn du:

  • Dein Haustier regelmässig sanft bürstest und auf Hautveränderungen kontrollierst.
  • Schlafplätze und Decken alle ein bis zwei Wochen bei mindestens 60 °C wäschst und Teppiche gründlich reinigst,
  • Ganzjährig auf Floh- und Zeckenschutz achtest – Flöhe können Milbeneier einschleppen.
  • Deinen Hund ausgewogen ernährst und Stress reduzierst, um sein Immunsystem zu stärken.

Fazit

Milbenbefall beim Hund ist unangenehm, oft schmerzhaft und kann ohne Behandlung gefährlich werden. Je früher du handelst, desto schneller verschwindet der Juckreiz und das Fell wächst gesund nach. Setze auf eine enge Zusammenarbeit mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt – so schützt du deinen Hund wirksam und sorgst für ein glänzendes, gesundes Fell.

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